Wissen
Glossar
Die wichtigsten Begriffe rund um den digitalen Euro – kurz und verständlich erklärt.
49 von 49 Begriffen
B
Bank Run
Ein Bank Run ist ein Ansturm, bei dem viele Kunden gleichzeitig ihre Einlagen abziehen und so eine Bank in Bedrängnis bringen. Ein leicht verfügbares digitales Zentralbankgeld könnte solche Bewegungen theoretisch beschleunigen. Haltelimits sollen dieses Risiko für den digitalen Euro eindämmen.
Bargeld
Bargeld umfasst die von der Zentralbank ausgegebenen Banknoten und Münzen. Es ist die einzige heute existierende Form von Zentralbankgeld für die breite Öffentlichkeit und ein gesetzliches Zahlungsmittel. Der digitale Euro soll das Bargeld ergänzen und dessen Eigenschaften teilweise in die digitale Welt übertragen.
Basisdienste
Basisdienste sind die grundlegenden Funktionen des digitalen Euro, die Nutzern kostenfrei zur Verfügung stehen sollen. Dazu zählen etwa das Eröffnen einer Wallet, das Ein- und Auszahlen sowie einfache Zahlungen. Sie sollen einen niedrigschwelligen und diskriminierungsfreien Zugang sicherstellen.
Blockchain / DLT
Distributed-Ledger-Technologie (DLT) und Blockchains sind Verfahren, bei denen Transaktionsdaten dezentral auf vielen Rechnern gespeichert und synchronisiert werden. Sie sind eine mögliche technische Grundlage für digitales Geld. Ob und in welchem Umfang der digitale Euro solche Technologien nutzt, ist Gegenstand der Vorbereitungsphase.
C
CBDC (Central Bank Digital Currency)
CBDC bezeichnet digitales Zentralbankgeld, das von einer Notenbank herausgegeben wird und für die breite Öffentlichkeit oder für Finanzinstitute verfügbar ist. Der digitale Euro ist die geplante CBDC des Euroraums. Weltweit erproben zahlreiche Zentralbanken ähnliche Projekte.
D
Datenschutz
Datenschutz betrifft den Schutz personenbezogener Zahlungsdaten vor unberechtigter Verarbeitung. Beim digitalen Euro soll ein hohes Datenschutzniveau gelten, wobei die EZB keine Einsicht in persönliche Transaktionen erhalten soll. Offline-Zahlungen sollen ein bargeldähnliches Maß an Privatsphäre bieten.
Digital Euro Scheme Rulebook
Das Digital Euro Scheme Rulebook ist ein einheitliches Regelwerk, das die Standards, Regeln und Verfahren für die Nutzung des digitalen Euro festlegt. Es soll sicherstellen, dass Zahlungen europaweit einheitlich funktionieren. An seiner Entwicklung sind neben dem Eurosystem auch Marktteilnehmer beteiligt.
Digitaler Euro
Der digitale Euro ist die geplante digitale Form des Euro-Bargeldes, herausgegeben von der Europäischen Zentralbank als digitales Zentralbankgeld. Er befindet sich seit November 2023 in der Vorbereitungsphase und ist noch nicht eingeführt. Er soll das Bargeld ergänzen, nicht ersetzen.
Disintermediation
Disintermediation bezeichnet das Risiko, dass Einlagen von Geschäftsbanken in großem Umfang in digitale Zentralbankwährung umgeschichtet werden und Banken so Refinanzierungsquellen verlieren. Um dies zu begrenzen, sind Haltelimits und der Verzicht auf eine Verzinsung vorgesehen. Ziel ist der Erhalt der Kreditvergabefähigkeit der Banken.
E
Eurosystem
Das Eurosystem besteht aus der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken der Länder, die den Euro eingeführt haben. Es ist gemeinsam für die Geldpolitik des Euroraums zuständig. Auch die Ausgabe eines künftigen digitalen Euro läge in seiner Verantwortung.
EZB (Europäische Zentralbank)
Die Europäische Zentralbank ist die Notenbank für den Euroraum und verantwortet die gemeinsame Geldpolitik. Sie leitet gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken das Projekt des digitalen Euro. Ihr vorrangiges Ziel ist die Preisstabilität.
F
Fälschungssicherheit
Fälschungssicherheit beschreibt den Schutz eines Zahlungsmittels vor Nachahmung und unberechtigter Vervielfältigung. Beim digitalen Euro sollen kryptografische Verfahren sicherstellen, dass Einheiten nicht doppelt ausgegeben oder gefälscht werden können. Dies ist eine Grundvoraussetzung für das Vertrauen in digitales Geld.
Finanzielle Inklusion
Finanzielle Inklusion bedeutet, dass möglichst alle Menschen Zugang zu grundlegenden Zahlungs- und Finanzdiensten haben. Der digitale Euro soll auch Personen ohne Bankkonto oder mit geringer Technikaffinität einen einfachen Zugang bieten. Vorgesehen sind unter anderem Grundfunktionen über öffentliche Stellen und physische Karten.
Finanzstabilität
Finanzstabilität beschreibt einen Zustand, in dem das Finanzsystem Schocks standhält und seine Funktionen zuverlässig erfüllt. Beim digitalen Euro sollen Haltelimits und der Verzicht auf Verzinsung mögliche Risiken für Banken und Einlagen begrenzen. Der Schutz der Finanzstabilität ist ein Leitprinzip des Projekts.
Fragmentierung des Zahlungsverkehrs
Fragmentierung beschreibt die Zersplitterung des europäischen Zahlungsverkehrs in viele nationale und private Insellösungen ohne einheitliche Reichweite. Der digitale Euro soll eine gemeinsame, europaweit akzeptierte Zahlungsoption schaffen. Damit soll die Abhängigkeit von wenigen internationalen Anbietern verringert werden.
G
Geldpolitik
Geldpolitik umfasst die Maßnahmen einer Zentralbank zur Steuerung von Geldmenge und Zinsen mit dem Ziel der Preisstabilität. Instrumente sind unter anderem Leitzinsen und Anleihekäufe. Ein digitaler Euro würde als geldpolitisch neutral konzipiert und soll die Geldpolitik nicht beeinträchtigen.
Geldwäscheprävention (AML)
Geldwäscheprävention umfasst Regeln und Kontrollen, die verhindern sollen, dass illegale Gelder in den legalen Wirtschaftskreislauf gelangen. Zahlungsdienstleister müssen entsprechende Sorgfaltspflichten erfüllen, etwa die Identifizierung von Kunden. Diese Anforderungen begrenzen die mögliche Anonymität digitaler Online-Zahlungen.
Geschäftsbankengeld
Geschäftsbankengeld ist von privaten Banken geschaffenes Geld, das als Guthaben auf Girokonten besteht. Es macht den größten Teil der umlaufenden Geldmenge aus. Im Gegensatz zu Zentralbankgeld ist es ein Anspruch gegen die jeweilige Geschäftsbank.
Gesetzliches Zahlungsmittel
Ein gesetzliches Zahlungsmittel muss zur Begleichung von Schulden grundsätzlich akzeptiert werden. Im Euroraum sind dies bislang Euro-Banknoten und -Münzen. Der Legislativvorschlag sieht vor, dem digitalen Euro ebenfalls den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels zu verleihen.
Giralgeld
Giralgeld, auch Buchgeld genannt, ist Geld in Form von Guthaben auf Bankkonten, das für bargeldlose Zahlungen genutzt wird. Es entsteht überwiegend durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken. Giralgeld ist die heute gebräuchlichste Erscheinungsform des Geldes im Zahlungsverkehr.
H
Haltegrenze
Die Haltegrenze ist ein anderer Begriff für das Haltelimit und bezeichnet den maximal zulässigen Bestand an digitalen Euro pro Nutzer. Sie ist ein zentrales Instrument, um Auswirkungen auf Bankeinlagen zu begrenzen. Beträge oberhalb der Grenze werden über den Wasserfall-Mechanismus auf ein Bankkonto weitergeleitet.
Haltelimit
Ein Haltelimit ist eine Obergrenze für den Betrag an digitalen Euro, den eine Person gleichzeitig halten darf. Es soll verhindern, dass zu große Mittel aus dem Bankensystem abfließen und die Finanzstabilität gefährdet wird. Die konkrete Höhe ist noch nicht endgültig festgelegt.
I
Instant Payments
Instant Payments sind Echtzeitüberweisungen, bei denen der Betrag innerhalb weniger Sekunden rund um die Uhr beim Empfänger gutgeschrieben wird. Sie basieren auf europäischen Standards im SEPA-Raum. Der digitale Euro würde Zahlungen ebenfalls in Echtzeit ermöglichen.
Intermediär / Zwischenverwahrer
Intermediäre sind vermittelnde Institutionen wie Banken und Zahlungsdienstleister, die den digitalen Euro an Endnutzer ausgeben und verwalten. Sie übernehmen Kontoführung, Kundenidentifizierung und Zahlungsabwicklung. Dieses zweistufige Modell trennt die Zentralbank vom direkten Kundenkontakt.
Interoperabilität
Interoperabilität ist die Fähigkeit unterschiedlicher Zahlungssysteme, reibungslos zusammenzuarbeiten. Der digitale Euro soll europaweit einheitlich und mit bestehenden Systemen kompatibel nutzbar sein. Ziel ist eine nahtlose Zahlung über Länder- und Anbietergrenzen hinweg.
K
Konditionierte Zahlung
Eine konditionierte Zahlung wird an eine oder mehrere Bedingungen geknüpft und erst bei deren Eintreten ausgeführt. Sie ist eine Ausprägung programmierbarer Zahlungen und betrifft den Zahlungsvorgang, nicht das Geld selbst. Anwendungsbeispiele sind automatisierte Abläufe im Handel oder bei Abonnements.
L
Legislativvorschlag der EU-Kommission
Die Europäische Kommission legte im Juni 2023 einen Gesetzesvorschlag zur Schaffung des rechtlichen Rahmens für den digitalen Euro vor. Er regelt unter anderem den Status als gesetzliches Zahlungsmittel, den Datenschutz und die Rolle der Zahlungsdienstleister. Über den Vorschlag beraten das Europäische Parlament und der Rat.
M
Monetäre Souveränität
Monetäre Souveränität bezeichnet die Fähigkeit eines Währungsraums, die Kontrolle über sein Geld und seinen Zahlungsverkehr zu behalten. Ein digitaler Euro soll Europas Unabhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsanbietern und privaten Digitalwährungen stärken. Er gilt als strategische Antwort auf die zunehmende Digitalisierung des Geldes.
N
NFC (Near Field Communication)
NFC ist eine Nahfeldkommunikation, die kontaktlose Datenübertragung zwischen Geräten über kurze Distanz ermöglicht. Sie wird beim kontaktlosen Bezahlen mit Karte oder Smartphone eingesetzt. Der digitale Euro soll NFC unter anderem für Offline-Zahlungen nutzen.
O
Offline-Zahlung
Eine Offline-Zahlung mit dem digitalen Euro soll auch ohne Internetverbindung zwischen zwei Geräten möglich sein, etwa über NFC. Die Beträge werden dabei lokal auf dem Gerät gespeichert. Offline-Zahlungen bieten ein höheres Maß an Privatsphäre, da keine Daten an Dritte übermittelt werden.
P
Pilotphase
Eine Pilotphase bezeichnet die Erprobung eines Systems unter realitätsnahen Bedingungen vor einer breiten Einführung. Für den digitalen Euro dienen Tests und Experimente dazu, technische Lösungen und Nutzererfahrungen zu prüfen. Sie ist Teil der laufenden Vorbereitungsarbeiten des Eurosystems.
Point of Sale (POS)
Der Point of Sale ist der Ort des Verkaufs, an dem eine Zahlung stattfindet, etwa die Ladenkasse. Zahlungen mit dem digitalen Euro sollen dort ebenso möglich sein wie im Online-Handel oder zwischen Privatpersonen. Häufig genutzte Technologien sind NFC und QR-Codes.
Preisstabilität
Preisstabilität bedeutet, dass die Kaufkraft des Geldes über die Zeit weitgehend erhalten bleibt. Sie ist das vorrangige Ziel der EZB, die dafür ein Inflationsziel von mittelfristig zwei Prozent anstrebt. Der digitale Euro ist so konzipiert, dass er dieses Ziel nicht beeinträchtigt.
Programmierbare Zahlung
Eine programmierbare Zahlung ist eine Zahlung, die automatisch ausgelöst wird, wenn zuvor definierte Bedingungen erfüllt sind, etwa eine Lieferung oder ein Termin. Die Logik liegt dabei außerhalb des Geldes, im Zahlungsauftrag oder in einer Anwendung. Der digitale Euro soll programmierbare Zahlungen ermöglichen, ohne das Geld selbst programmierbar zu machen.
Programmierbares Geld
Programmierbares Geld wäre Geld, dessen Verwendung durch fest eingebaute Regeln eingeschränkt ist, etwa ein Ablaufdatum oder eine Zweckbindung. Die EZB hat wiederholt betont, dass der digitale Euro kein programmierbares Geld sein soll. Ein digitaler Euro soll wie Bargeld frei verwendbar sein.
Pseudonymität
Pseudonymität bedeutet, dass Transaktionen zwar Kennungen tragen, aber nicht unmittelbar einer identifizierbaren Person zugeordnet sind. Der digitale Euro soll gegenüber der Zentralbank pseudonym sein, während Zahlungsdienstleister aus rechtlichen Gründen Nutzer identifizieren. Vollständige Anonymität wie bei Bargeld ist online nicht vorgesehen.
PSP (Zahlungsdienstleister)
Ein Payment Service Provider ist ein Zahlungsdienstleister, der die Schnittstelle zwischen Nutzern und dem digitalen Euro bereitstellt. Banken und andere beaufsichtigte Anbieter sollen Konten und Wallets verwalten, Zahlungen abwickeln und Kundenservice leisten. Die EZB selbst hätte dabei keinen Einblick in persönliche Zahlungsdaten.
Q
QR-Code-Zahlung
Bei einer QR-Code-Zahlung wird ein Zahlungsvorgang durch Scannen eines QR-Codes ausgelöst, der die Zahlungsdaten enthält. Das Verfahren ist gerätewenig und einfach im stationären wie mobilen Handel einsetzbar. Es zählt zu den vorgesehenen Zahlungswegen des digitalen Euro.
R
Rehypothekation
Rehypothekation beschreibt die Weiterverwendung von hinterlegten Sicherheiten oder Kundenvermögen durch ein Finanzinstitut für eigene Zwecke. Im Kontext des digitalen Euro ist dies nicht vorgesehen, da Bestände direkte Ansprüche gegen die Zentralbank bleiben. Der Begriff wird häufig in der Debatte um Sicherheit und Insolvenzschutz genannt.
Reverse-Wasserfall-Mechanismus
Der Reverse-Wasserfall-Mechanismus zieht bei einer Zahlung fehlende Beträge automatisch vom verknüpften Bankkonto in die digitale Euro-Wallet nach. Dadurch lassen sich auch Zahlungen ausführen, die den aktuellen Wallet-Bestand übersteigen. Zusammen mit dem Wasserfall ermöglicht er ein Halten von null bis zum Limit ohne manuelles Aufladen.
S
SEPA
Der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) standardisiert Überweisungen und Lastschriften in Euro über Ländergrenzen hinweg. Er ermöglicht bargeldlose Zahlungen zu einheitlichen Bedingungen im europäischen Raum. Der digitale Euro soll dieses bestehende Ökosystem ergänzen.
Stablecoin
Ein Stablecoin ist eine privat herausgegebene digitale Währung, deren Wert an eine Referenz wie eine Währung oder einen Währungskorb gebunden ist. Anders als der digitale Euro ist ein Stablecoin kein Zentralbankgeld und trägt ein Emittentenrisiko. Die Verbreitung von Stablecoins ist ein Motiv für die Entwicklung öffentlicher digitaler Währungen.
T
Tokenisierung
Tokenisierung bezeichnet die Abbildung von Werten oder Rechten als digitale Token, die elektronisch übertragen werden können. Im Zahlungsbereich kann Geld tokenbasiert statt kontobasiert dargestellt werden. Der digitale Euro könnte technisch sowohl konten- als auch tokenbasierte Elemente enthalten.
V
Verzinsung (Nichtverzinsung)
Verzinsung bezeichnet die Vergütung von Guthaben durch Zinsen. Für den digitalen Euro ist ausdrücklich keine Verzinsung vorgesehen, damit er ein reines Zahlungsmittel und keine Geldanlage ist. Dies soll verhindern, dass er in Konkurrenz zu Bankeinlagen tritt.
Vorbereitungsphase
Die Vorbereitungsphase des digitalen Euro begann im November 2023 im Anschluss an eine zweijährige Untersuchungsphase. In ihr werden Regelwerke, Technik und mögliche Anbieter weiter ausgearbeitet und getestet. Eine Entscheidung über die tatsächliche Einführung ist damit noch nicht getroffen.
W
Wallet (digitale Geldbörse)
Eine Wallet ist eine digitale Geldbörse, in der Nutzer ihre digitalen Euro verwalten und Zahlungen auslösen. Sie kann als App auf dem Smartphone oder als physische Karte bereitgestellt werden. Zugang zur Wallet soll über Zahlungsdienstleister und teils auch über öffentliche Stellen möglich sein.
Wasserfall-Mechanismus (Waterfall)
Der Wasserfall-Mechanismus leitet Beträge, die das Haltelimit übersteigen, automatisch auf ein verknüpftes Geschäftsbankkonto weiter. So bleiben eingehende Zahlungen möglich, auch wenn das Limit erreicht ist. Er ist ein zentraler Baustein zum Schutz der Finanzstabilität.
Waterfall (Funktionsprinzip)
Waterfall ist die englische Bezeichnung für den Wasserfall-Mechanismus und die automatischen Verknüpfungen zwischen digitaler Euro-Wallet und Bankkonto. Der Begriff fasst sowohl den regulären als auch den umgekehrten Ablauf zusammen. Er beschreibt das automatische Überlaufen beziehungsweise Nachfüllen von Beträgen.
Z
Zentralbankgeld
Zentralbankgeld ist Geld, das direkt von einer Zentralbank geschaffen wird und ein Anspruch gegen diese darstellt. Dazu zählen heute Bargeld sowie Guthaben der Banken bei der Zentralbank. Der digitale Euro würde Zentralbankgeld erstmals auch digital für Privatpersonen verfügbar machen.